Als Kind habe ich meine Sommerferien bei meinen Großeltern im wunderschönen Mecklenburg-Vorpommern verbracht. Abenteuer mit Stock und Stein blieben nie aus. Als Stadtkind bekommt man selten so richtig die Jahreszeiten mit. Klar, wärmer und grüner, aber nicht so im Detail wie auf dem Land. Man sieht das frische Sprießen, die Ernten nach Saison, den Geruch von Gras und Heu und auch den Dünger. Oma sagte immer: „Tief einatmen, das ist frische Landluft.“

Jetzt gerade bin ich bei meinen Großeltern, um sie seit Langem mal wieder im Sommer zu besuchen, und habe ganz vergessen, wie schön der Sommer auf dem Land ist.

Zu meinem Erlebnis: Meine Oma sagt, im Keller ist eine Maus. Die hätte den Apfel-Test gemacht. Auf die Seite, wo sie die Maus vermutete, legte sie einen Apfel, dazwischen eine Metalltür. Sie zeigt mir den Apfel und die Maus scheint noch zu fressen. Wir waren uns beide einig: Die Maus soll nicht mit einer Mausefalle, die sie tötet, gefangen werden.

„Okay, ich fange die Maus“, sagte ich ihr.
Also ging ich motiviert in den Keller und überlegte, wie sie sich zeigen könnte. Aufwendig stellte ich Schüsseln auf, darunter einen Zollstock, von denen Opa komischerweise gefühlt 100 Stück hat.

Nun zeigte sich die Maus immer wieder an meinen zehn Eimern mit 100 Zollstöcken aufgerüsteten Fangstationen. Ich erschreckte mich jedes Mal zu Tode und schrie die Maus so laut an, dass sie still stand, mich anstarrte und vibrierte. Sie hat mindestens genauso viel Schiss wie ich. Sie war sooo klein und süß, aber der Gedanke, sie könnte mich zwicken …

Ich habe sie gefangen, lebend, und motiviert, sie nach draußen zu bringen. Stolz präsentierte ich Oma meine Jagd. Wir gingen in den Garten Richtung Kartoffeln und freuten uns, ein Leben gerettet zu haben. Am nächsten Morgen: Die wilde Hauskatze meiner Großeltern, die seit einem Jahr ihre Mahlzeiten bei uns abholte, war humpelnd auf drei Beinen unterwegs und präsentierte uns die Maus. Sie knackte genüsslich das Genick und ich war erstaunt: Sie fraß sie komplett auf, fast wie eine Schlange.
Diese Katze ist auf drei Beinen unterwegs und hat uns das erste Mal eine Maus präsentiert. Ja, so ist das eben. Die Katze ist sowieso etwas speziell. Am liebsten verrichtet sie ihr Geschäft oben auf dem Hundefriedhof.

Übrigens ist der Keller jetzt mit einer Nagetier-Lebendfalle geschmückt. Für mich die tierfreundlichste Variante.

❤️

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